Wasserkreislauf und Wasserressourcen


Regionale Folgen an ausgewählten Beispielen

Asien

Ein Drittel der erneuerbaren Wasserressourcen der Welt, 13500 km3 zu 42700 km3 pro Jahr, sind in Asien konzentriert. Noch stärker ist Asien mit 57% an der weltweiten Wasserentnahme und mit 70% am weltweiten Wasserverbrauch beteiligt. Dabei steht die Landwirtschaft, hauptsächlich für die Bewässerung, noch deutlicher als in anderen Regionen der Welt an der Spitze: Auf sie fallen 81% der Wasserentnahme und 91% des Wasserverbrauchs. Verteilung und Verbrauch von Süßwasser sind jedoch in den verschiedenen Regionen des großen Kontinents sehr unterschiedlich. Die größten Wasserressourcen pro Fläche weist mit 6646 km3 pro Jahr das tropische Südostasien auf, gefolgt von Sibirien mit 3107 km3 und Südasien mit 1988 km3, während in Westasien nur 490 km3 und in Zentralasien nur 181 km3 pro Jahr zur Verfügung stehen. Die Wasserverfügbarkeit pro Kopf der Bevölkerung ist mit 76,6 m3 im Jahr im gering bevölkerten Sibirien am höchsten, gefolgt vom dichtbesiedelten, aber wasserreichen Südostasien mit 4,77 m3. Dagegen stehen im bevölkerungsreichen Südasien nur 1,77 m3 und auf der extrem ariden arabischen Halbinsel nur 0,18 m3 Süßwasser pro Jahr zur Verfügung.


Abb. 4.8: Entwicklung der Wassernutzung (Wasserentnahme einschließlich -verbrauch) in den Großregionen Asiens 1900 bis 2025 (2000-2025: Prognosen ohne Berücksichtigung des Klimawandels).32 In Regionen, in denen die Wassernutzung 10%-20% der Vorräte ausmacht, gilt die Wasserversorgung als gering gefährdet, in denen sie 20% übersteigt, als mittelmäßig, und in denen sie 40% übersteigt, als stark gefährdet.33

Durch das starke Bevölkerungswachstum und die Konzentration der Bevölkerung in den Städten haben Wasserentnahme und Wasserverbrauch im 20. Jahrhundert in allen Regionen Asiens stark zugenommen. Dieser Trend wird im 21. Jahrhundert auch ohne einen Wandel des Klimas anhalten (s.Abb.). Beteiligt ist daran vor allem die Landwirtschaft. Bei einer geschätzten Zunahme der bewässerten Fläche von 175 Millionen ha 1995 auf 231 Millionen ha 2025 wird die Wasserentnahme von 1743 m3 pro Jahr auf 2245 m3 pro Jahr steigen. Relativ sind allerdings die Steigerungen in Industrie (von 184 m3 auf 409 m3) und Haushalten (von 160 m3 auf 343 m3) größer.34

Durch den Klimawandel wird die Versorgung mit Brauchwasser in einigen Regionen Asiens günstiger, in anderen dagegen verschlechtert sie sich. So wird nach einer Modellstudie, die die Auswirkungen des prognostizierten Temperaturanstiegs auf das hydrologische Regime der großen Flussbecken der Erde untersucht hat,35 erwartet, dass sich der Oberflächenabfluss bis 2050 in den Becken der sibirischen Flüsse erhöhen wird, beim Yenisey um 15%, der Lena um 27%, dem Ob um 12% und dem Amur um 14%; ebenso wird bis 2050 ein Erhöhung des Abflusses bei den großen chinesischen Strömen Yangtze und Huang He erwartet (um 37% bzw. 26%). Dagegen wird sich hiernach der Abfluss in den Stromsystemen Vorder- und Südasiens verringern: um 22% beim Tigris, 25% beim Euphrat, 27% beim Indus und 14% beim Brahmaputra.36

Dieter Kasang


Anmerkungen:
32. nach Lal, M., H. Harasawa and D. Murdiyarso (2001): Asia, in: IPCC WG2 TAR, 11.2.3.1.
33. nach Arnell, N.W. (2000): Climate change and global water resources, Global Environmental Change 9, S31-S49; s. auch Tab.16 in diesem Band.
34. Lal, M., H. Harasawa and D. Murdiyarso (2001): Asia, in: IPCC WG2 TAR, 11.2.3.1.
35. Arnell, N.W. (2000): Climate change and global water resources, Global Environmental Change 9, S31-S49
36. vgl. auch Lal, M., H. Harasawa and D. Murdiyarso (2001): Asia, in: IPCC WG2 TAR, 11.2.3.1.


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