Wasserkreislauf und Wasserressourcen


Wasserverfügbarkeit und Klimawandel

Die Wasserverfügbarkeit ist einerseits von den Wasserressourcen, andererseits von der Wasserentnahme abhängig. Übersteigt die Entnahme einen bestimmten Prozentsatz der Ressourcen, spricht man vom Wasserstress. Extremer Wasserstress liegt hiernach dann vor, wenn die Entnahme 40% der Ressourcen übersteigt. Global liegt dieses Verhältnis weit unter dieser Grenze. Nur 9% der 40 000 km3 Wasser, die zur Verfügung stehen, werden entnommen. Regional sind die Verhältnisse jedoch sehr verschieden, so dass nach der obigen Definition gegenwärtig 2,3 Milliarden Menschen unter extremem Wasserstress leben.1

Diese Zahl wird sich bis zur Mitte des Jahrhunderts auf 5,2-6,8 Milliarden Menschen erhöhen. Die Ursachen liegen einerseits in sozio-ökonomischen Bedingungen (Bevölkerungszunahme, Wirtschaftswachstum), die die Wasserentnahme bestimmen, andererseits im klimatischen Wandel, der die Wasserressourcen beeinflusst. Der Klimawandel kann durch höhere Niederschläge in manchen Regionen auch zu einem höheren Wasserangebot führen. Nach Modellrechnungen wird sich global der Wasserstress in 61-75% der Landoberfläche erhöhen und in 14-29% verringern. Die Gründe für höheren Wasserstress liegen primär in der steigenden Entnahme, aber auch geringere Niederschläge und eine höhere Verdunstung sind daran beteiligt. Die betroffenen Regionen sind vor allem die, in denen der Wasserstress heute schon hoch liegt. Das sind z.B. der Nordosten Brasiliens, Teile von Nordamerika, Südeuropa, Teile von Mittelasien und Australien und große Teile Afrikas. Eine Erhöhung der Wasserentnahme aufgrund zunehmender Bevölkerung und ökonomischer Entwicklung wird vor allem in Afrika südlich der Sahara, in Lateinamerika und großen Teilen Asiens erwartet. Wo die Wasserversorgung günstiger wird, ist das primär durch höhere Niederschläge infolge des Klimawandels begründet, in 2. Linie auch durch eine effektivere Wassernutzung. Vor allem in Südasien könnten durch den Klimawandel künftig viele Menschen weniger unter extremem Wasserstress leiden als heute.2

Die wichtigsten klimatischen Faktoren, die die Wasserverfügbarkeit beeinflussen, sind der Niederschlag und die stark temperaturabhängige Verdunstung. Regionen, in denen sich beide Parameter durch den Klimawandel so entwickeln, dass die Wasserressourcen abnehmen, sind vor allem der Mittelmeerraum, Südafrika, Mittelamerika und Südaustralien (vgl. Wasserkreislauf und Klima). Von erheblicher Bedeutung werden in vielen Regionen auch die Niederschlagsmuster sein. Allgemein wird damit gerechnet dass durch den Klimawandel die Variabilität der Niederschläge zunehmen wird. D.h. es fallen zu bestimmten Jahreszeiten mehr Niederschläge, zu anderen weniger, und es kommt zu stärkeren Gegensätzen zwischen Starkniederschlägen und Trockenphasen. Hierdurch sind sowohl Wasserressourcen betroffen, die sich aus Oberflächenwasser, wie solche, die sich aus neugebildetem Grundwasser speisen. Auch die Art der Niederschläge spielt eine nicht geringe Rolle. Durch die globale Erwärmung wird mehr Niederschlag als Regen denn als Schnee fallen. Dadurch wird es zu einer jahreszeitlichen Verschiebung des Abflusses zum Winter hin kommen und weniger Oberflächenwasser im sommer zur Verfügung stehen. Durch das Abschmelzen von Gebirgsgletschern kommt es zunächst zwar zu einer Zunahme der Abflüsse, langfristig aber zu deren Versiegen. Ein weiterer Klimafaktor, der in manchen Regionen die Wasserressourcen gefährdet, ist der steigende Meeresspiegel, der zum Eindringen von Salzwasser in küstennahes Grundwasser führen kann (vgl. Meeresspiegelanstieg in Asien: Bangladesch).

Dieter Kasang


Anmerkungen:
1.Menzel, L.; Flörke, M.; Matovelle, A.; Alcamo, J (2007): Impact of socio-economic development and climate change on water resources and water stress, In: Proc. 1st International Conference on Adaptive and Integrative Water Management (CAIWA 2007), Basel - auch Online
2.Menzel, L.; Flörke, M.; Matovelle, A.; Alcamo, J (2007): Impact of socio-economic development and climate change on water resources and water stress, In: Proc. 1st International Conference on Adaptive and Integrative Water Management (CAIWA 2007), Basel - auch Online

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