Bartenwale


GRÖNLANDWAL (Balaena mysticetus)

bowhead whale (9K)
    Klasse:
    Ordnung:
    Unterordnung: 
    Familie: 
    Art:
  Mammalia - Säugetier
  Cetacea - Wal
  Mysticeti - Bartenwal 
  Balaenidae - Glatt- und Grauwale 
  Balaena mysticetus - Grönlandwal

 

 

Der Grönlandwal ist auch bekannt als Grönlandkaper und ist eng verwandt mit dem Nordkaper. Er erhielt seinen englischen Namen Bowhead Whale von dem hohen gebogenen Unterkiefer, der die Form eines Schießbogens hat. Im Winter lebt er am südlichen Rand des arktischen Eises und hält sich im Sommer in Rinnen zwischen Eisschollen und schmelzendem Eis auf. Die breiten Rücken der Grönlandwale haben keine Rückenfinne, wodurch sie einfacher unter den Eisschollen schwimmen können. Grönlandwale können zum Atmen durch 30-60 cm dickes Eis durchbrechen, es ist aber immer noch ein Geheimnis, wie sie den Ort dafür auswählen. Der Grönlandwal war jahrhundertelang eine wichtige Grundlage für den Lebensunterhalt der eingeborenen Jäger in der Arktis.

KÖRPERBAU
Der Grönlandwal bewohnt nur die arktischen und subarktischen Gewässer. Sein kräftiger Körper wird von einer bis zu 60 cm dicken Specklage vor dem eiskalten Wasser geschützt. Sein Kopf ist gewaltig und nimmt fast ein Drittel der Gesamtlänge des Körpers ein. Sein Maul kann 4,9 m lang, 3,7 m hoch und 2,4 m breit sein, seine Zunge wiegt etwa 900 kg. Im Profil sieht der Kopf des Grönlandwals dreieckig aus. Dies kann als Ergebnis eines Anpassungsprozesses gesehen werden, wodurch es dem Wal ermöglicht wird, das Eis zum Atmen zu durchbrechen. Er hat zwei Blaslöcher an der höchsten Stelle seines Kopfes, aus denen zwei strahlenförmige Fontänen vier Meter hoch in die Luft spritzen. Beim Schwimmen sieht man nur den dreieckigen Kopf und den runden Rücken des Grönlandwals über der Wasseroberfläche.

 FARBE
Grönlandwale sind blau-schwarz, außer einem variablen weißen Fleck am Unterkiefer. Darauf findet sich gewöhnlich eine Reihe von unregelmäßigen schwarzen Punkten. Einige steife Borsten wachsen vorne sowohl am Ober- als auch am Unterkiefer. Zusätzlich können einige weiße Striche am Bauch und ein grau-weißlicher Streifen direkt vor der Fluke (Schwanz) vorhanden sein.

 FINNEN UND FLUKE
Der Grönlandwal hat keine Rückenfinne. Die tief eingekerbte Fluke eines ausgewachsenen Grönlandwals kann von einer Spitze zur anderen 7,60 m lang sein. Die Brustflossen sind breit und paddelförmig und etwa 1,8 m lang.

GRÖSSE UND GEWICHT
Erwachsene Männchen erreichen ihre physische Reife bei 15 m und können mehr als 54 Tonnen wiegen. Die sexuelle Reife erreichen sie bei 11,6 m. Erwachsene Weibchen sind bei Erreichen der physischen als auch sexuellen Reife etwas größer als die Männchen. Ihre maximale Länge liegt bei 18 m.

 ERNÄHRUNG
Der Grönlandwal frißt Planktonorganismen einschließlich Ruderfußkrebse, Flohkrebse, Leuchtfußkrebse und andere Krustentieren. Er nimmt täglich etwa 1,8 Tonnen Nahrung zu sich. Als Bartenwal besitzt er eine Reihe von 325 bis 360 gefransten, sich überlappenden Hornplatten, die von jeder Seite des Oberkiefers dort herunterhängen, wo bei anderen Tieren Zähne wären. Diese Platten bestehen aus einer fingernagelähnlichen Substanz, Keratin genannt, und haben an der Innenkante nahe der Zunge feine Haarfransen. Diese sind dunkelgrau bis schwarz und sind die längsten Barten überhaupt, nämlich etwa 4,3 m lang und 30 cm breit. Während der Nahrungsaufnahme schwimmt der Grönlandwal ständig mit weit geöffnetem Maul durch das Wasser. Wenn das Wasser durch die Bartenplatten in das Maul fließt, wird die Beute bis zum Herunterschlucken in der Nähe der Zunge festgehalten.

 PAARUNG UND FORTPFLANZUNG
Die Paarung findet spät im Frühling oder im Frühsommer statt. Die Kälber sind bei der Geburt 3,5 bis 5,5 m lang. Die Zeitabstände zwischen den Geburten betragen drei Jahre (2-4 Jahre im Durchschnitt), das Kalb wird ca. sechs Monate gesäugt. Die Tragzeit dauert 10 Monate. Kälber werden mit einer dicken Speckschicht geboren, wodurch sie nach der Geburt leichter im eiskalten Wasser überleben können.

 VERBREITUNG UND WANDERUNG
Die Wanderungen sind von den Jahreszeiten abhängig und vom Zurückweichen und Vordringen des Eises. Die Grönlandwale bewegen sich immer nahe am Rand des arktischen Packeises und folgen ihm im Winter nach Süden in das Bering-Meer und im Sommer nach Nordosten zur Beaufort-See im Nordpolarmeer. Bei ihrer Wanderung nach Norden werden sie oft von Belugawalen begleitet, die ihnen durch die Rinnen im Eis folgen. Eine Trennung nach Alter und Geschlecht ist in gewissen Phasen der Wanderung auffällig. Weltweit findet man die Grönlandwale in der westlichen Arktis (Bering-Meer, Tschuktschen- und Beaufort-See), der kanadischen Arktis (Baffin Bay, Davis Straße und Hudson Bay), dem Ochotskischen Meer (westlich der Kamtschatka-Halbinsel) und von Spitzbergen westwärts bis Grönland im Nordatlantik.

 VERHALTEN
Grönlandwale schwimmen meistens allein oder in kleinen Gruppen von bis zu sechs Tieren. Größere Verbände kann man an den Weidegründen antreffen. Diese Wale sind langsame Schwimmer und ziehen sich, wenn sie aufgeschreckt werden, unter das Eis zurück. Ihre Augen und ihr Gehör sind exzellent und es ist bekannt, dass sie singen. Ihr einziger bekannter Feind neben den Menschen ist der Killerwal.

 BESTAND
Kommerzielle Walfänger entdeckten den Grönlandwal bereits 1611 in der östlichen Arktis und 1848 in der westlichen Arktis. Der nicht reglementierte kommerzielle Walfang fand bis Anfang des 20. Jahrhunderts statt und rottete den Grönlandwalbestand fast völlig aus. Grönlandwale sind vor dem kommerziellem Walfang seit 1946 vollständig geschützt. Eskimos haben "den Wal" seit Jahrhunderten gejagt. In Übereinstimmung mit den Regeln der Internationalen Walfangkommission (IWC) ist es den Eskimos weiterhin erlaubt, jedes Jahr eine festgesetzte Zahl an Grönlandwalen für die eigene Ernährung und zur Ölgewinnung zu jagen. Gegen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurden annähernd 200 Grönlandwale jährlich erlegt, und große Gewinne konnten beim Verkauf des Öls und der Barten erzielt werden. Ein einziger Grönlandwal konnte bis zu 11.900  l Öl und 680 kg Barten oder "Fischbein" liefern. Im Jahr 1859 sank der Preis des Walöls durch den Gewinn von Ersatzstoffen aus Petroleum dramatisch, das damals im westlichen Pennsylvania entdeckt wurde. Die Jagd wurde aber weiterhin nur wegen der Barten fortgesetzt, der Rest des Tieres wurde weggeworfen. Die Barten wurden als Korsettstangen, Peitschen, Uhrenfedern, Reifröcke, Fischangeln und Regenschirmrippen benutzt. Nach der Erfindung der Stahlfeder am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Verwendung von Barten unnötig. Momentan wird die Zahl der Grönlandwale auf ca. 7.000 Tiere geschätzt.

 

Bowhead whale distribution map (9K)

Bowhead Whale Blow and Fluke Diagram (4K)

Verbreitung des Grönlandwals

Fontäne, Rückenfinne und Fluke

Ausgewählte Literatur

Balcomb, K. and S. Minasian. 1984. The World's Whales. Smithsonian Books. W. W. Norton, New York.

Braham, H.W. 1989. Eskimos, Yankees and Bowhead Whales. Oceanus 32(1): 54-62.

Burns, J.J., J.J. Montegue and C.J. Cowles. 1993. The Bowhead Whale. Special Publication No. 2. The Society for Marine Mammalogy, Special Publication No. 2, Lawrence, KN.

Ellis, R. 1980. The Book of Whales. Alfred A. Knopf, New York.

Gohier, F. 1988. A Pod of Gray Whales. Blake Publishing, San Luis Obispo, California.

Leatherwood, S.L. and R.R. Reeves. 1983. The Sierra Club Handbook of Whales and Dolphins. Sierra Club Books, San Francisco.

Miller, T. 1975. The World of the California Gray Whale. Baja Trail Publications, Inc., Santa Ana, California.

Swartz, S. and M. L. Jones. 1984. The Gray Whale. Academic Press, San Diego.

Tinker, S.W. 1988. Whales of the World. E. J. Brill, New York.

Links to Related Web Sites

Danksagung

Wir sind sehr dankbar für die Kenntnisse und die Unterstützung von Howard Braham von United States National Marine Fisheries Service, der zu der Überarbeitung dieser Seiten beigetragen hat.

 

American Cetacean Society 
P.O. Box 1391 
San Pedro, CA 90733-1391
Phone 310-548-6279 
Fax     310-548-6950 
E-mail acs@pobox.com

Fact sheet revised August 1996.      Web page updated June 10, 1997. May be reprinted for educational or scientific purposes.


Übersetzung: Hanna May-Dornbusch
Quelle des englischen Originals: AMERICAN CETACEAN SOCIETY


Haben Sie Fragen, Anregungen oder Kritik, so schreiben Sie an Wolfgang Stanik
(c)   27.07.2007 Impressum