Bartenwale


GRAUWAL (Eschrichtius robustus)

gray whale (6K)
    Klasse: 
    Ordnung: 
    Unterordnung: 
    Familie: 
    Art:
  Mammalia - Säugetiere
  Cetacea - Wale
  Mysticeti - Bartenwale
  Eschrichtiidae  - Grauwale
  Eschrichtius robustus - Grauwal

 

 

Der Grauwal, das einzige Mitglied der Familie der Eschrichtiidae, ist ein Bartenwal. Er ist ein Küstenwal, der entlang der nordamerikanischen Pazifikküste zwischen den arktischen Gewässern und den Lagunen im Golf von Kalifornien, Mexico, wandert. Da der Grauwal häufig von der Küste aus gesehen werden kann, bietet sich dadurch die einmalige Gelegenheit, ihn vom Land und vom Schiff aus zu beobachten. Das kommerzielle "Whale watching" ist entlang seiner Wanderroute zu einer wesentlichen Einnahmequelle geworden. Besucher der Lagunen, in denen die Kälber zur Welt kommen und aufgezogen werden, erleben manchmal die "freundlichen" Grauwale, die nahe an die kleinen Boote herankommen und sich von den Menschen anfassen lassen.

KÖRPERBAU
Der Grauwal hat einen stromlinienförmigen Körper mit einem schmalen, spitzen Kopf. Der Oberkiefer ist im Profil gebogen und überlappt den Unterkiefer leicht. Das Rostrum (Oberkiefer) hat Grübchen und jede der kleinen Vertiefungen enthält ein Borstenhaar. Die 2-5 Kehlfurchen sind 1,5 m lang.

 FARBE
Der Grauwal hat seinen Namen wegen der grauen Flecken und der weißen Sprenkel auf seiner dunklen Haut erhalten. Auf der Haut befinden sich viele Kratzer, vereinzelte Flecken von weißen Entenmuscheln und orangefarbenen Walläusen. Neugeborene Kälber sind dunkelgrau bis schwarz, wobei einige auch deutliche weiße Markierungen haben können.

 FINNEN UND FLUKE
Der Grauwal hat keine Rückenfinne. Nach etwa 2/3 seiner Körperlänge hat er einen hervorstehenden Buckel auf dem Rücken, an den sich eine Reihe von 6-12 Knöcheln entlang des Rückens anschließt und bis zur Fluke (Schwanz) erstreckt. Seine Brustflossen sind paddelförmig und spitz an den Enden. Seine Fluke ist etwa 3,7 m breit, spitz an den Enden und in der Mitte tief eingekerbt.

 GRÖSSE UND GEWICHT
Ausgewachsene Männchen sind 13-14 m lang, ausgewachsene Weibchen sind etwas größer. Beide Geschlechter wiegen 27-36 Tonnen.

 ERNÄHRUNG
Grauwale ernähren sich von Krebstieren wie den Flohkrebsen und Röhrenwürmern, die sich in Bodensedimenten befinden. Sie fressen vorrangig in den Sommermonaten bei langem Tageslicht in den kalten arktischen Gewässern des Beringmeers und der Tschuktschen-See. Als Bartenwal hat er eine Reihe von 130-180 gefransten überlappenden Hornplatten, die von jeder Seite des Oberkiefers dort herunterhängen, wo bei anderen Tieren Zähne wären. Diese Platten bestehen aus einer fingernagelähnlichen Substanz, Keratin genannt, und haben an der Innenkante nahe der Zunge feine Haarfransen. Die Platten sind gebrochen weiß und etwa 5-25 cm lang. Zum Fressen taucht der Wal auf den Grund, rollt sich auf die Seite und saugt Bodensedimente und Wasser in sein Maul ein. Wenn er das Maul schließt, werden Wasser und Sedimente durch die Bartenplatten herausgepreßt, die dabei die Nahrung bis zum Herunterschlucken nahe der Zunge festhalten.

 PAARUNG UND FORTPFLANZUNG
Grauwale erreichen die sexuelle Reife im Alter von 5 bis 11 Jahren oder wenn sie 11-12 m groß sind. Die Tragzeit beträgt 12-13 Monate. Kälber wiegen bei der Geburt 500-680 kg und sind ca. 4,5 m lang. Sie werden 7 bis 8 Monate mit 53 % fetter Milch (menschliche Milch hat 2 % Fett) gesäugt. Die Weibchen bekommen alle zwei oder mehr Jahre ein Kalb. Werbung und Paarungsverhalten sind komplex und finden häufig zwischen drei oder mehr Walen mit unterschiedlichem Geschlecht statt. Die Paarung und die Geburt der Kälber ereignen hauptsächlich in den Lagunen des Golf von Kalifornien, Mexiko. Beides wurde aber auch schon auf ihren Wanderungen beobachtet.

 VERBREITUNG UND WANDERUNG
Grauwale leben in den flachen Küstengewässern des östlichen Nordpazifiks. Der Grauwal unternimmt die längsten Wanderungen aller Wale, durchschnittlich 16.000-22.530 km pro Wanderung. Im Oktober verlassen die ersten Wale ihre Weidegründe im Beringmeer und der Tschuktschen-See und schwimmen in Richtung Süden zu ihren Paarungs- und Geburtslagunen im Golf von Kalifornien. Der Weg nach Süden dauert etwa 2-3 Monate. Die Wale bleiben dann 2-3 Monate in den Lagunen, wo ihre Kälber eine dicke Speckschicht aufbauen können, die ihnen Kraft für die Wanderung nach Norden gibt und sie in den kälteren Gewässern warm hält. Der Rückweg nach Norden dauert weitere 2-3 Monate. Während der Wanderung in Richtung Norden schwimmen Mütter und Kälber stets in der Nähe der Küste. Es gibt auch einige Grauwale, die das ganze Jahr über in den Straits of Juan de Fuca zwischen dem State of Washington und Vancouver Island, Kanada, und möglicherweise auch vor der zentralkalifornischen Küste bleiben.

 VERHALTEN
Ein wandernder Grauwal hat ein bestimmtes Atemmuster, normalerweise bläst er 3-5 Mal in Abständen von 15-30 Sekunden, bevor er seine Fluke hebt und für 3-5 Minuten taucht. Ein Grauwal kann bis zu 15 Minuten unter Wasser bleiben und mit einer Geschwindigkeit von 5-10 km pro Stunde schwimmen. Mütter beschützen mutig ihre Kälber und erhielten wegen ihres wilden Verteidigungsverhaltens von den frühen Walfängern in den Lagunen den Namen "Teufelsfisch". Orcas (Killerwale) sind auch für den Tod von Grauwalen verantwortlich, viele Grauwale haben Narben von Orcazähnen auf ihrer Fluke.

 BESTAND
Es gab einmal drei Grauwalbestände: ein Nordatlantikbestand, heute ausgerottet, wahrscheinlich Opfer der Waljagd; ein koreanischer oder westlicher Nordpazifikbestand, heute sehr dezimiert, wahrscheinlich auch durch die Waljagd; und der östliche Nordpazifikbestand, das größte existierende Vorkommen. Nach der Entdeckung der Geburtslagunen wurde der Grauwal um 1850 fast bis zur völligen Ausrottung gejagt und später noch einmal am Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Einführung der schwimmenden Fabriken. Im Jahr 1937 erhielt er einen teilweisen Schutz und 1947 den vollständigen Schutz durch die Internationale Walfangkommission (IWC). Seit der Zeit hat sich der Grauwalbestand im östlichen Nordpazifik bemerkenswert erholt, seine Zahl beträgt zwischen 19.000 und 23.000 Tieren und liegt damit wahrscheinlich fast bei seiner ursprünglichen Größe.

 

Gray whale distribution map (10K)

Gray Whale Blow and Fluke Diagram (4K)

Verbreitung der Grauwale

Fontäne, Rückenfinne und Fluke


Ausgewählte Literatur

 Balcomb, K. and S. Minasian. 1984. The World's Whales. Smithsonian Books. W. W. Norton, New York.

 Ellis, R. 1980. The Book of Whales. Alfred A. Knopf, New York.

 Gohier, F. 1988. A Pod of Gray Whales. Blake Publishing, San Luis Obispo, California.

 Leatherwood, S.L. and R.R. Reeves. 1983. The Sierra Club Handbook of Whales and Dolphins. Sierra Club Books, San Francisco.

 Miller, T. 1975. The World of the California Gray Whale. Baja Trail Publications, Inc., Santa Ana, California.

 Swartz, S. and M.L. Jones. 1984. The Gray Whale. Academic Press, San Diego.

 Links to Related Web Sites

Danksagung:
Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung von Steven Swartz von der United States National Marine Fisheries Service, der zu der Überarbeitung dieser Unterlagen beigetragen hat.

American Cetacean Society 
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Übersetzung: Hanna May-Dornbusch
Quelle des englischen Originals: American Cetacean Society


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